Freitag, 8. November 2013

Klosterleben in Zimmern im Gründungsjahrhundert



Hiltgarts ehemaliges Kloster befindet sich im nördlichen Teil Schwabens in der Diözese Augsburg im heutigen Bundesland Bayern. Es wurde zunächst um 1233 im mittelfränkischen Windsfeld gegründet, von dort 1245 nach Stahelsberg (heute Schlossberg bei Hechlingen) und dann 1252 erneut, diesmal nach Zimmern verlegt. Gründer ist Friedrich von Truhendingen mit seiner Ehefrau Agnes. Durch größere Zuwendungen wurden Egelolf von Lierheim und später Rudolf von Hürnheim – Rauhaus zu Mitstiftern. Bereits 1263 konnte die Gemeinschaft einen Tochterkonvent nach Niederösterreich aussenden, wo das St. Bernhardskloster bei Horn gegründet wurde. Das Interesse am geistlichen Leben dieser Zisterzienserinnen muss also trotz der lokalen Startschwierigkeiten immens gewesen sein und die Eintritte offenbar reichlich.[1] 

In dieser Zeit der Blüte tritt auch Hiltgart in das Kloster ein. Aus ihren Worten[2] ist über ihr Kloster, dessen Namen sie nennt, das Folgende zu entnehmen:

Ihr Kloster steht unter dem Patrozinium des Heiligen Kreuzes und wird noch 1282 von der ersten Äbtissin, welche Elisabeth heißt, geleitet. Diese hat dem Kloster damit eine Kontinuität durch fast 50 Jahre Leitungsdienst gegeben und dürfte einst sehr jung in dieses Amt gewählt worden sein. Hiltgart von Hürnheim hat in ihrem Kloster Kontakt zu einem Mönch der Abtei Kaisheim namens Rudolf von Hürnheim, den sie als ehrsam und bescheiden charakterisiert und dem sie eine deutlich höhere Qualifikation für die Ausübung der ihr von ihm zugedachten Arbeit zuschreibt. Aus dem identischen Terminus ehrsam für Äbtissin und Mönch kann man vermuten, dass es sich hier wahrscheinlich um einen wohl auch deutlich älteren Priestermönch handelt. Die nähere Beschreibung dieses Mannes als demütig und bescheiden und die Kennzeichung ihrer Rolle ihm gegenüber als willige Dienerin in der Sache dieser Übersetzung, lässt auf eine gewisse Vertrautheit schließen. Dies ist umso beachtenswerter, da sie deutlich kundtut, dass sie ihre Tage im Schweigen und damit wohl auch in Klausur verbringt. Damit kann man ihm eine Funktion als Spiritual und Lehrer zuschreiben. Die Tatsache, dass sie eine so qualitativ anspruchsvolle Übersetzungstätigkeit leisten kann, obwohl sie noch recht jung ist und dennoch schon lange in ihrem Kloster, lässt auf sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten in Zimmern schließen. Die Anfertigung eines Buches bedingt eine gewisse Logistik hinsichtlich der Materialbeschaffung und –herstellung (Pergament, Tinte, Schreibschule), sodass davon auszugehen ist, dass all diese Möglichkeiten in ihrem Kloster vorhanden waren oder problemlos beschafft werden konnten. Dies setzt einen gewissen Wohlstand voraus. Da sie das Buch – das im Original leider nicht mehr vorhanden ist – wohl auch selbst geschrieben hat, muss sie auch eine Ausbildung in dieser Kunst erhalten haben.   


[1] Zu den Angaben und Gründungsdetails dieses Ortes vgl. Edgar KRAUSEN, Die Klöster des Zisterzienserordens in Bayern, in: Bayerische Heimatforschung Heft 7 (München-Pasing 1953), S. 106f.; BRAUN, Ein wanderndes Kloster (Windsfeld – Stahelsberg – Zimmern), Gunzenhauser Heimatbote 2 (1926/28), s. 34-35.
[2] Gemeint ist ihre Vorrede zur Übersetzung des Secretum Secretorum. Reinholt MÖLLER (Hg.), Hiltgart von Hürnheim. Mittelhochdeutsche Prosaübersetzung des „Secretum Secretorum“, (Deutsche Texte des Mittelalters 56, Berlin 1963) Vorrede S. 3f.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen